Freitag, 27. September 2013

Corralejo - das lebendige Touristenzentrum in Norden von Fuerteventura

Ein endlos langer Dünenstrand, der unter Naturschutz steht und ein quirliges Ferienstädtchen mit einem beschaulichen Hafenviertel, das bietet das größte Tourismuszentrum im Norden von Fuerteventura. Corralejo ist im Gegensatz zu anderen Orten auf der Insel aber keine reine Touristenstadt, hier können die Urlauber auch das Alltagsleben der Einwohner miterleben.

Vom Dünenstrand von Corralejo aus geht der Blick zur Insel Los Lobos, dahinter liegt Lanzarote

Noch in den 1950er Jahren war Corralejo ein kleines verschlafenes Fischerdorf mit 200 Einwohnern. Wer heute die Haupteinkaufsstraße Avenida Nuestra Señora del Carmen entlangflaniert, kann sich das nur schwer vorstellen. Die Stadt hat heute 8000 Einwohner und bietet Platz für 30.000 Urlauber. Die sich immer weiter ausdehnenden Neubauviertel am Ortsrand mögen so manchem ein Dorn im Auge sein, ein Bummel die Hafenpromenade entlang oder ein Streifzug durch die Gässchen mit kleinen Läden und Bars im gewachsenen Ortskern macht trotzdem auch heute noch Spaß.

Corralejo ist ein sehr lebendiger Ort. Dies liegt auch daran, dass hier die unterschiedlichsten Menschen aufeinandertreffen: die Einwohner, Zuwanderer, die hier in den letzten Jahren in der Tourismusindustrie Arbeit gefunden haben, Residenten aus den unterschiedlichsten Ländern Europas, die das Klima und die tollen Strände hierher gezogen haben, Touristen hauptsächlich aus Großbritannien, Italien, Skandinavien und immer mehr auch aus Deutschland. Viele junge Leute verbringen hier ihren Urlaub, weil es fantastische Sportmöglichkeiten – unter anderem Surfen und Tauchen – und ein lebendiges Nachtleben gibt. Wohl nirgendwo anders auf Fuerteventura kann man so gut abends ausgehen wie hier.

1968 wurde die erste Apartmentanlage gebaut. Kurze Zeit später entstanden mitten in den Dünen die beiden Großhotels Tres Ilsas und Oliva Beach. 1982 wurden die Dünen unter Naturschutz gestellt. Seitdem darf dort nicht mehr gebaut werden. Immer wieder einmal ist die Rede davon, dass die beiden Hotels, die nach Ansicht mancher die Dünenlandschaft verschandeln, abgerissen werden sollen. Angeblich muss man sich nur noch auf eine Entschädigung für die Hotelbesitzer einigen. Seit Jahren gibt es immer wieder Gerüchte, dass der Abriss kurz bevor steht. Immer wieder wird auch berichtet, die beiden Hotels seien ohne Genehmigung errichtet worden und müssten deshalb abgerissen werden. Geschehen ist bis jetzt noch nichts. Die Rede ist auch davon, dass der Abriss 2017 erfolgen soll. Ihren Urlaub im nächsten Winter können Sie also noch dort buchen.

Auch in der Stadt selbst gibt es ja genügend Hotels, das Stadtgebiet hat sich durch Neubauten in den letzten Jahren immer weiter ausgedehnt. Die meisten Hotels und Apartmentanlagen haben gepflegte Gartenanlagen und große Pool-Landschaften. So begibt sich nicht jeder Urlauber jeden Tag per Mietauto oder Bus zum Dünenstrand, der ja mehrere Kilometer außerhalb des Ortes liegt. Dort hinzukommen, ist aber auch kein Problem. Die Bus- oder Autofahrt ist kurz. Viele Hotels bieten einen eigenen Bustransfer an, ansonsten fährt vom zentralen Busbahnhof alle 30 Minuten ein öffentlicher Bus ab, in den man an jeder Haltestelle im Ort zusteigen kann.

Auch im Stadtbereich gibt es einige hellsandige Strände, an denen man schwimmen kann. Sie sind allerdings längst nicht so attraktiv wie der große Dünenstrand außerhalb des Ortes. Mitten durch den Ort führt vom ursprünglichen Ortskern aus die oben schon angesprochene breite Hauptgeschäftsstraße. Hier reiht sich ein Hotel an die nächste Bar an den nächsten Supermarkt. Geschäfte mit allem was Urlauber brauchen sind in großer Anzahl vorhanden. Restaurants findet man im ganzen Ort in allen Preislagen. Von der kleinen Fast-Food-Kneipe über die Pizzeria und das Fischlokal bis zum Steakhaus ist alles vorhanden. Bars und Cafés gibt es selbstverständlich auch und für die Nachtschwärmer machen zu später Stunde die Diskotheken auf.


Die Avenida Nuestra Señora del Carmen führt in südlicher Richtung in das gewachsene Fischerviertel, an das sich der Fährhafen anschließt. Von hier aus kann man Schiffsausflüge zur Nachbarinsel Lanzarote und zu der vorgelagerten kleinen Insel Lobos unternehmen. Das Hafen- und Fischerviertel wird meerseitig von der schönen Strandpromenade mit Fischrestaurants, Cafés und Restaurants begrenzt. Fast das ganze Jahr über kann man hier auf den Terrassen draußen sitzen. Von hier aus ist es nur ein kurzer Fußweg in die Ortsmitte mit kleinen Gässchen, in denen es sich schön bummeln lässt. Schön ist die Plaza Felix Estévez. Lorbeerbäume spenden Schatten, es gibt viele Lokale und Souvenirshops. Der Platz ist umgeben von Terrassencafés, wo fast jeden Abend Live-Musik geboten wird. Der Platz hat deshalb auch den Beinamen Music Square. Ruhiger ist es in der Calle La Iglesia, die kopfsteingepflastert zur kleinen Ortskirche führt. Und damit ist der Bummel durch das kleine Fischerviertel auch schon abgeschlossen. Weite Wege legt man hier nicht zurück, dafür gibt es beim gemächlichen Bummel immer wieder neue liebenswerte Kleinigkeiten zu entdecken.

Montag, 16. September 2013

Die Reise geht ab heute weiter nach Fuerteventura, den Anfang macht die Speisekarte der Insel: Früchte des Meeres und Gutes vom Land

In den Touristenorten und in der Hauptstadt werden Sie eine große Auswahl an Lokalen finden, die internationale Küche oder Pizza und Pasta anbieten. Die einheimische Küche ist eher einfach, aber auf jeden Fall einen Versuch wert. Geprägt sind die Gerichte von den Zutaten, die Meer und Land zu bieten haben: Frischer Fisch und Meeresfrüchte werden in den Strandlokalen serviert. Auf einer Insel, auf der mehr Ziegen als Menschen leben, spielt natürlich das Fleisch dieser Tiere auch in der einheimischen Küche eine große Rolle. Wie überall auf den Kanaren gibt es Mojo und die deftigen Eintöpfe.
Mojo: Ohne Mojo kommt ganz selten ein kanarisches Gericht aus. Die Sauce, die separat zum Essen gereicht wird,  gibt es in den unterschiedlichsten Versionen. Jede Hausfrau hat ihr Rezept, ebenso wie jeder Koch. Zwei Grundvarianten kann man anhand der Farbe unterscheiden: Mojo picón ist rot und scharf, mojo verde ist grün und mild.

Mojo picon

Mojo picón (auch mojo rojo = rote Sauce) gibt es in der Regel zu Fleisch. Sie besteht aus Chili, Knoblauch, Paprika, Kumin und Essig und natürlich den Geheimzutaten, die der Koch nicht verrät. Mojo verde wird zum Fisch gereicht, in dieser Sauce ist statt den Scharfmachern Paprika und Chili frischer Koriander bzw. Petersilie enthalten.
Mojo gehört auch zu den kanarischen Kartoffeln, den papas arrugadas (Runzelkartoffeln). Die kleinen Kartoffeln (ähnlich wie die deutschen Drillinge) werden in Wasser gekocht, das mit großen Mengen Meersalz versetzt ist. Die Zubereitung hat Tradition: Früher haben die Fischer zum Kochen der Kartoffeln Meerwasser verwendet. Die Kartoffeln werden gegart, bis das Wasser verdampft ist. Die Schalen sind dann zusammengeschrumpelt, die Salzkruste glitzert auf der Schale, die mitgegessen wird. Papas arrugadas con mojo werden als Vorspeise oder als Beilage zu Fleisch oder Fisch serviert.

Gofio: Der Getreidebrei ist ein traditionelles Grundnahrungsmittel auf den Kanarischen Inseln. Schon die Guanchen haben Gofio hergestellt. Mit einer Besinnung auf alte Traditionen und auf natürliche Nahrungsmittel ist Gofio in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. Schließlich besitzt Gofio einen hohen Nährwert und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Hergestellt wird der Brei aus einem Mehl aus geröstetem Getreide wie Weizen oder Gerste und Mais. In warme Milch eingerührt kann man Gofio zum Frühstück essen oder Babys zum Trinken geben. Man kann mit Gofio Suppen und Eintöpfe andicken, mit Honig oder zerdrückten Bananen wird ein Dessert daraus.

Beim Urlaub auf einer Insel darf natürlich Fisch auf der Speisekarte nicht fehlen. Die Atlantikfische, die rund um Fuerteventura gefangen werden, sind hauptsächlich Vieja (Papageienfisch) und Atun (Thunfisch). Oft stehen auch Merluza (Seehecht) und Mero (Zackenbarsch) auf der Karte. Fragen Sie am besten, welcher Fisch heute frisch gefangen wurde. Meistens gibt es den Fisch a la plancha, auf einer heißen Metallplatte gebraten und mit Kräutern und Knoblauch gewürzt. Eine andere Zubereitungsart ist „al horno“, im Ofen gegart. Der Fisch wird meistens mit Salat und papas arrugadas serviert.

Weniger in den Touristenorten an der Küste, aber sehr wohl im Landesinneren werden Sie mit etwas Glück auf der Speisekarte die leckeren kanarischen Suppen und Eintöpfe finden, die auf jeden Fall einen Versuch wert sind. Meistens sind das Sopa de Garbanza (Kichererbsensuppe), Potaje de berros (Kressesuppe) oder puchero canario, ein Fleisch- und Gemüseeintopf. Ropa vieja heißt übersetzt „alte Klamotten“, das ist ein traditionelles Resteessen mit gewürfeltem Fleisch und Gemüse und gebratenen Kichererbsen.
Fleisch gibt es in den Restaurants in den auch den Mitteleuropäern bekannten Zubereitungsarten wie Steak und Schnitzel. Eine gute Alternative zum importierten Rind- und Schweinefleisch ist das Fleisch der Tiere, die auf der Insel in großen Mengen leben, nämlich Ziege und Wildkaninchen. Die Ziegen haben zartes Fleisch und werden in vielen Restaurants serviert. Am größten ist das Angebot im Januar und Februar, wenn die Zicklein (cabritos) geschlachtet werden. Das Fleisch wird entweder in einer Kräutersauce mariniert (en adobo), in der Pfanne gebraten (asado) oder im Ofen gegart (al horno). Im Herbst zur Jagdsaison wird in den Restaurants Wildkaninchen angeboten.

Beliebt auf der Insel sind auch die vom spanischen Festland „importierten“ Tapas. Tapa heißt übersetzt Deckelchen. Damit keine Fliegen ins Weinglas geraten, wurde dieses früher mit einem kleinen Tellerchen abgedeckt. Auf diesem Tellerchen wurden dann Kleinigkeiten angerichtet, wie Oliven oder Sardinen. So ist die Tapa entstanden. Heute gibt es die kleinen Zwischengerichte in einer Glastheke angerichtet, so dass Sie sich Ihre Mahlzeit nach Geschmack zusammenstellen können. Zur Auswahl stehen z. B. ensaladilla (Kartoffelsalat), pimientos rellenos (gefüllte Paprika), pulpo (Oktopus), croquetas (Fischkroketten) oder hidago (gebratene Leberstückchen). Bei Bedarf werden die Tapas vor dem Servieren in der Mikrowelle warm gemacht.

Wo so viele Ziegen leben wie auf Fuerteventura, wird natürlich auch Ziegenkäse produziert. Auf der Insel ist der leckere Käse als Vorspeise beliebt, er wird in dünne Scheiben geschnitten serviert. Der Majorero-Käse oder queso blanco ist, wenn er frisch ist, weiß und mild. Je länger er reift, desto kräftiger wird der Geschmack. Nach vier Wochen ist er halb gereift und leicht gelblich, er wird jetzt semicurado genannt und schmeckt leicht säuerlich. Nach sechs Monaten Reifezeit ist der curado entstanden. Er schmeckt jetzt scharf, vom Geschmack und der Konsistenz her ähnelt er dem Parmesamkäse.

Foto: By jules  [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons